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Der Wagen des vermissten Pforzheimers wurde an der Abnobastraße in Pforzheim entdeckt.
Der Wagen des vermissten Pforzheimers wurde an der Abnobastraße in Pforzheim entdeckt. © Polizei Karlsruhe
01.07.2019

Getöteter Schmuckhändler aus Pforzheim: Was wir wissen und was nicht

Pforzheim. Zunächst waren es Gerüchte, die traurige Nachricht wurde dann am Samstag offiziell von der Polizei bestätigt: Der zuvor seit einer Woche vermisste 57-Jährige aus Pforzheim wurde tot aufgefunden. Was bereits über das Gewaltverbrechen bekannt war und welche neuen Details es jetzt gibt:

Was ist über den Toten bekannt?

Es handelt sich um einen 57-jährigen Schmuckhändler aus Hohenwart, der seit dem 21. Juni vermisst wurde. Seine Leiche sei am vergangenen Sonntag in Frankreich gefunden worden, erklären Polizei und Staatsanwaltschaft. Er wurde zuletzt am besagten Freitagnachmittag an der Stolzestraße in der Südstadt bei einem Geschäftstermin gesehen. Sein Fahrzeug, ein schwarzer Golf, wurde an der Abnobastraße in der Oststadt gefunden. Wie der Familienvater schließlich nach Frankreich kam und ob er zu diesem Zeitpunkt bereits tot war, dazu gibt die Polizei derzeit nichts bekannt.

Was ist über das Verbrechen bekannt?

Dass es sich um ein Gewaltverbrechen handle, habe bereits eine Obduktion am Mittwochmorgen ergeben. Die Identität des Opfers habe jedoch erst am Freitag eindeutig geklärt werden können. Noch am gleichen Abend nahm die Polizei einen 36-jährigen deutschen Tatverdächtigen fest. Über die möglichen Motive ist bisher nichts bekannt.

Das sagen Medienberichte aus dem Elsass

Französische Medien berichten von einem teils verkohlten Körper, der in Soultz-sous-Forêts im Elsass auf einer Wiese gefunden worden war – allerdings bereits am vergangenen Samstag. Ob es sich dabei möglicherweise dennoch um den 57-Jährigen aus Hohenwart handelt? Dazu wollte sich die Polizei gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“ nicht äußern. Sie beruft sich auf ermittlungstaktische Gründe. Die verkohlte Leiche war Medienberichten zufolge am Mittwoch in Straßburg obduziert worden.

So geht die Polizei nun vor

Beim Kriminalkommissariat Pforzheim wurde indes eine 37-köpfige Sonderkommission unter dem Namen „Brosche“ zur Aufklärung des Kapitaldelikts eingerichtet. Der Tatverdächtige wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft einem Richter vorgeführt, der Haftbefehl erließ und ihn in eine Justizvollzugsanstalt einwies.

So äußern sich Nachbarn und Bekannte

In Hohenwart, wo der Mann in einem großen Haus lebte, aber auch in den sozialen Medien, ist die Anteilnahme mit der Ehefrau und dem Sohn des Getöteten groß. Wer ihn kannte, beschreibt den 57-Jährigen als freundlichen und anständigen Mann. Dass irgendetwas nicht stimme, sei klar gewesen, als er am 21. Juni nicht mehr aufgetaucht sei. Er sei niemand, der einfach verschwinde, heißt es.

Warum er Opfer eines Verbrechens wurde, ist für viele ein Rätsel. Darüber, ob die Straftat mit seinem Beruf als Schmuckhändler zusammenhängt, kann derzeit nur spekuliert werden. Der gelernte Goldschmied war bei verschiedenen Pforzheimer Unternehmen – unter anderem der Trauringmanufaktur Rauschmayer – tätig, bevor er sich selbstständig machte.

Hierhin können sich Zeugen und Hinweisgeber wenden

Zeugen, die das Opfer am 21. Juni gesehen oder eine Beobachtung in Verbindung mit dem schwarzen Golf gemacht haben, werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst telefonisch unter (07 21) 66 60 zu melden.

Die jüngsten Tötungsdelikte in der Region

Im Mai 2019 kommt es an einem Wochenende gleich zu zwei Tötungsdelikten an einem Wochenende: In Tiefenbronn-Mühlhausen tötet ein 60-jähriger Mann seine Frau und den jüngeren Sohn – der ältere überlebt schwerverletzt. In Brötzingen ersticht ein 27-Jähriger seine Ehefrau.

Ein betrunkener 61-Jähriger in Schömberg-Langenbrand soll seinen 55-jährigen Bekannten mit einem Messer getötet haben

Im vergangenen Jahr gab es gleich vier spektakuläre Gewalttaten, die tödlich endeten. Mitte September 2018 wird am Straßenrand zwischen Dobel und Bad Herrenalb die Leiche eins 41-jährigen Irakers, der zuletzt in Baden-Baden wohnte, gefunden. Er wurde am Leichenfundort erschossen. Die Täter wurden bereits verurteilt.

So weit ist der Mordfall Simon Paulus noch nicht gediehen. Ende August 2018 verschwand der 50-Jährige in Gräfenhausen. Seine Leiche wurde im Pforzheimer Hagenschieß vergraben. Ein 29-jähriger Italiener aus Pforzheim soll Paulus umgebracht haben. 

Ende Mai 2018 soll ein 24 Jahre alter Altenpflegehelfer in Oberderdingen ein nicht belegtes Bett in einem Zimmer in einem Seniorenheim angezündet haben. Dabei starb eine hilflose Seniorin, die im gleichen Raum gelegen hatte. Der Verdächtige wurde im März 2019 aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Zwei Monate zuvor erstach ein 42-Jähriger auf offener Straße in Mühlacker seine von ihm getrennt lebende Frau. Im Oktober wurde er vom Landgericht Karlsruhe zu lebenslanger Haft verurteilt.