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Eine körperliche Auseinandersetzung zwischen mehreren Jugendlichen am Leopoldplatz ist nun zur Sache der Polizei geworden. 

Nach Schlägerei am Leopoldplatz: Ein Verdächtiger, mehrere Geschädigte und viele Unbekannte

Pforzheim. Eine Schlägerei mit mehreren beteiligten Jugendlichen hat am späten Freitagabend für großes Aufsehen in Pforzheim gesorgt: Mehrere junge Leute gingen am Leopoldplatz aufeinander los, laut Polizeisprecher Frank Otruba gibt es mehrere Geschädigte. Doch was genau war passiert? Und warum? PZ-news hat nachgehakt.

Wie Otruba am Montagmorgen erklärte, sei am besagten Abend um kurz nach 23 Uhr zunächst ein 19-jähriger Syrer auf einen 17-jährigen Kosovaren losgegangen. Er habe ihn Zeugenaussagen zufolge gegen eine Hauswand gepresst und versucht, ihm den Hals abzudrücken. Ein unbekannter Dritter habe den 17-Jährigen dann noch mit einem Gürtel geschlagen. Der 19-jährige Tatverdächtige konnte im Zuge der Fahndung nach etwa 20 Minuten in der Innenstadt vorläufig festgenommen werden.

Etwa zeitgleich habe ein weiterer Unbekannter eine andere Person mit einem roten Kapuzenpulli geschlagen. Wiederum ein anderer Unbekannter sei mit einer Glasflasche drohend auf eine 16-Jährige zugegangen und habe ihr in die Haare gespuckt.

Ob es weitere Geschädigte gab und welche Rolle die übrigen Jugendlichen spielten – insgesamt sollen rund 20 Personen beteiligt gewesen sein – ist unbekannt. Zeugenaussagen zufolge handele es sich bei den Jugendlichen um eine Gruppe junger Migranten, die sich zuvor an der Schlössle-Galerie aufgehalten haben sollen.

Viele Beteiligte, wenige Aussagen

Als die Polizei um 23.19 Uhr alarmiert wurde, rückten die Beamten mit fünf Streifenwagen und einem Diensthund an. Alle Beteiligten, die zu diesem Zeitpunkt vor Ort waren, wurden von den Ordnungshütern zum Polizeirevier Pforzheim Nord gebracht, mussten dort ihre Personalien angeben und eine Aussage machen. Anschließend, so Polizeisprecher Otruba, wurden die jungen Leute wieder auf freien Fuß gesetzt. 

Dennoch: Die Hintergründe der Auseinandersetzung liegen bislang noch im Dunkeln. Die Schwierigkeit an der Aufklärung dieses Falles liege nun vor allem darin, dass nur wenige Zeugenaussagen vorliegen. "Oft will niemand etwas sagen", erklärt Otruba gegenüber PZ-news. "Häufig wollen die Beteiligten die Streitereien nur untereinander klären", so der Polizeisprecher weiter. Deshalb setze man die Hoffnung nun auf unbeteiligte Dritte, die das Geschehen beobachtet haben und sich nun bei der Polizei melden. Diese Zeugen werden dringend gebeten, sich beim Revier Pforzheim Nord unter der Rufnummer (07231) 1863211 zu melden. 

Eine Massenschlägerei sei der Vorfall am Freitagabend nicht gewesen, ergänzte Otruba. Viel mehr handele es sich um eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen, vor dem Gesetz gelte das als "gemeinschaftliche Körperverletzung". Ähnliches hatte Polizeipräsidentin Caren Denner im vergangenen Jahr erklärt: Der oftmals verwendete Begriff der "Massenschlägerei" habe sich bei den polizeilichen Ermittlungen im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Pforzheim nie bestätigt.

Nicht die erste Schlägerei dieser Art

Die Auseinandersetzung am Leopoldplatz erinnert an einen ähnlichen Fall, der sich im vergangenen September zugetragen hat. Damals ermittelte die Polizei wegen Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung in der Pforzheimer Innenstadt. Rund 30 Jugendliche waren damals in eine Schlägerei verwickelt, die eine Leserin auf Video festgehalten und an PZ-news geschickt hatte.

Auch vor Diskotheken in der Innenstadt sowie in der Pforzheimer Nordstadt war es in der Vergangenheit häufiger zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. Laut Polizei war dort ebenfalls häufig das Problem, dass die Beteiligten keine Aussagen machen und die Sache unter sich klären wollten.

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