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 Foto: Ketterl 

Pforzheimer Kulturhauptstadt-Bewerbung abgelehnt: Knappe Mehrheit dagegen

Pforzheim. Die Gemeinderäte des Kulturausschusses beklagen zu wenige Informationen und abgesagte Gespräche: Die Bewerbung Pforzheims zur europäischen Kulturhauptstadt wurde abgelehnt.

Ex-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lässt sich immer wieder gut zitieren: „Hätte, hätte … Fahrradkette“. „Ja wenn wir vorher gewusst hätten, welches Konzept hinter einer Kulturhauptstadtbewerbung steckt, wie groß die Chancen sind, wäre unsere Entscheidung sicher anders gefallen“, sagt Peter Pfeiffelmann von der Fraktion WIP/Die Linke und schiebt gleich eine Frage an Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler hinterher: „Warum wurde unser vereinbarter Gesprächstermin so kurzfristig abgesagt?“ Oberbürgermeister Peter Boch habe sie gebeten, von den rechtzeitig im Vorfeld der gestrigen Kulturausschuss-Sitzung geplanten Gesprächen abzusehen, muss Schüssler zugeben. Nein, an diesem Nachmittag ist Sibylle Schüssler nicht zu beneiden: Gerade noch hat sie ein vehementes Plädoyer für die Bewerbung Pforzheims als europäische Kulturhauptstadt, für die wichtige Vision und die Bedeutung für die Weiterentwicklung der Stadt abgelegt – und muss doch nach intensiv geführter Diskussion im Gremium über eine Beilage abstimmen lassen, die sich genau dagegen ausspricht. Eine Beilage, die ausschließlich von OB Boch unterschrieben ist. „Da fühlt man sich verkohlt“, fasst Pfeiffelmann das zusammen, was mancher im Sitzungssaal denken mag.

Die anschließende Abstimmung zeigt: Selten war der Kulturausschuss so gespalten. Es gibt fünf Stimmen gegen die Kulturhauptstadtbewerbung, vier dafür und zwei Enthaltungen. Gar nicht mehr abstimmen wollen die Gemeinderäte dann über die ebenfalls vom OB unterschriebene Beilage zur Ornamenta 2022. „Ein Ornamentale“ sagt Baumbusch – auf einen Gesamtetat für Vorbereitung und Umsetzung von 500.000 Euro zusammengeschrumpft. „Allein die große Ausstellung des Schmuckmuseums im Jubiläumsjahr kostete 450.000 Euro“, rechnet Jubiläumskoordinator Gerhard Baral vor. Und Schüssler fürchtet, durch diese Sparversion die Marke Ornamenta für die Zukunft zu verbrennen: Da will sie lieber – bewusst lapidar – von „Kulturprojekten 2022“ sprechen. Doch vielleicht zeigen die Gemeinderäte Mut: Ein interfraktioneller Antrag könnte für eine andere Finanzausstattung sorgen.

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