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Foto: Ketterl
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10.07.2018

Pforzheimer Kulturhauptstadt-Bewerbung abgelehnt: Knappe Mehrheit dagegen

Pforzheim. Die Gemeinderäte des Kulturausschusses beklagen zu wenige Informationen und abgesagte Gespräche: Die Bewerbung Pforzheims zur europäischen Kulturhauptstadt wurde abgelehnt.

Ex-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lässt sich immer wieder gut zitieren: „Hätte, hätte … Fahrradkette“. „Ja wenn wir vorher gewusst hätten, welches Konzept hinter einer Kulturhauptstadtbewerbung steckt, wie groß die Chancen sind, wäre unsere Entscheidung sicher anders gefallen“, sagt Peter Pfeiffelmann von der Fraktion WIP/Die Linke und schiebt gleich eine Frage an Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler hinterher: „Warum wurde unser vereinbarter Gesprächstermin so kurzfristig abgesagt?“ Oberbürgermeister Peter Boch habe sie gebeten, von den rechtzeitig im Vorfeld der gestrigen Kulturausschuss-Sitzung geplanten Gesprächen abzusehen, muss Schüssler zugeben. Nein, an diesem Nachmittag ist Sibylle Schüssler nicht zu beneiden: Gerade noch hat sie ein vehementes Plädoyer für die Bewerbung Pforzheims als europäische Kulturhauptstadt, für die wichtige Vision und die Bedeutung für die Weiterentwicklung der Stadt abgelegt – und muss doch nach intensiv geführter Diskussion im Gremium über eine Beilage abstimmen lassen, die sich genau dagegen ausspricht. Eine Beilage, die ausschließlich von OB Boch unterschrieben ist. „Da fühlt man sich verkohlt“, fasst Pfeiffelmann das zusammen, was mancher im Sitzungssaal denken mag.

Die anschließende Abstimmung zeigt: Selten war der Kulturausschuss so gespalten. Es gibt fünf Stimmen gegen die Kulturhauptstadtbewerbung, vier dafür und zwei Enthaltungen. Gar nicht mehr abstimmen wollen die Gemeinderäte dann über die ebenfalls vom OB unterschriebene Beilage zur Ornamenta 2022. „Ein Ornamentale“ sagt Baumbusch – auf einen Gesamtetat für Vorbereitung und Umsetzung von 500.000 Euro zusammengeschrumpft. „Allein die große Ausstellung des Schmuckmuseums im Jubiläumsjahr kostete 450.000 Euro“, rechnet Jubiläumskoordinator Gerhard Baral vor. Und Schüssler fürchtet, durch diese Sparversion die Marke Ornamenta für die Zukunft zu verbrennen: Da will sie lieber – bewusst lapidar – von „Kulturprojekten 2022“ sprechen. Doch vielleicht zeigen die Gemeinderäte Mut: Ein interfraktioneller Antrag könnte für eine andere Finanzausstattung sorgen.

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Schreiberling
10.07.2018
Pforzheimer Kulturhauptstadt-Bewerbung abgelehnt: Knappe Mehrheit dagegen

Pforzheim und Kultur? Was soll denn das sein. So widersprüchlich wie ein Christbaum im Sommer oder Pferdeäpfel auf der Autobahn. Jetzt werden viele schrill aufschreien und mit wohlgedrechselten Worten auf ein paar bombastische Einzelheiten verweisen. Für eine "Hauptstadt" ist das aber zu wenig und zu ignorant selbstverliebt. Kostprobe für die Selbstüberschätzung gefällig? Selbst zu Reuchlin muss externer Sachverstand eingekauft werden, weil die erforderlichen Bordmittel nicht vorhanden ...... mehr...

Schreiberling
10.07.2018
Pforzheimer Kulturhauptstadt-Bewerbung abgelehnt: Knappe Mehrheit dagegen

In diesem Maulwurfsbaum war auch eine Vitrine eines Kunstwerks von Boris Becker. Für das würde man sich heute schämen. Soviel zur Relativität von Kunst und Zeitgeist und Mainstream. Früher warf man der SPD vor, sie könne nicht mit Geld umgehen. Dieser schwarze Peter muss jetzt an die grüne Liste gehen.... mehr...

Testy
11.07.2018
Pforzheimer Kulturhauptstadt-Bewerbung abgelehnt: Knappe Mehrheit dagegen

Richtig so. Es gibt viel wichtigere Aufgaben, bei dem man das Geld besser verwenden sollte... Sicherheit, Ordnung, Infrastruktur etc.. Lieber das Geld in den angestrebten 5G Ausbau. In Pforzheim gibt es ohnehin ein Überangebot an hoch subventionierter "Kultur", angefangen beim Provinztheater hin zu vielen überzogenen Projekten. Man sollte doch die Frage stellen, wieso man so viel Zuschuss geben muss... es gibt ein Überangebot und den Leuten ist es den tatsächlichen Preis nicht wert. Es darf ...... mehr...

ROSAROT
11.07.2018
Pforzheimer Kulturhauptstadt-Bewerbung abgelehnt: Knappe Mehrheit dagegen

Nur als kleine Nebenbemerkung: Es ist ihnen aber nicht entgangen, daß die grossen Kosten für dieses kulturelle Ereignis gar nicht von der Stadt hätten getragen werden müssen, sondern bereits überwiegend durch herausragende Zusagen von Sponsoren abgedeckt worden wären. Aber Pforzheim hätte als Kulturhauptstadt auch kaum was verloren. Sein OB und seine Stadträte bleiben sich eben treu: Provinz bleibt Provinz !!... mehr...