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Im Rhein hat die Polizei Teile einer Waffe gefunden, mit der ein Iraker auf der Landesstraße zwischen Dobel und Bad Herrenalb erschossen worden sein soll. © Symbolbild: Stricker/tv-bw
22.10.2018

Tödliche Schüsse auf Iraker: Polizeitaucher finden Tatwaffe im Rhein

Dobel/Bad Herrenalb. Die Sonderkommission „Tanne“, die das Gewaltverbrechen an einem 47-jährigen Iraker, der am 17. September gegen 22 Uhr neben der L340 zwischen Bad Herrenalb und Dobel erschossen aufgefunden wurde, scheint einer weitgehenden Aufklärung nahe zu sein. Jetzt haben die Ermittler die Tatwaffe gefunden, mit der der Iraker zwei Schüsse in den Kopf und einen in die Brust erhalten haben soll.

Bildergalerie: Leiche mit Schusswunden bei Dobel entdeckt

Am Straßenrand der L340 zwischen Bad Herrenalb und Dobel wurde die Leiche des Irakers im September entdeckt.Bei Tageslicht wurde der Fundort der Leiche neben der L340 zwischen Dobel und Bad Herrenalb von den Spurensuche-Experten noch einmal genauer unter die Lupe genommen.

Nach der Festnahme zweier Tatverdächtiger, einem 23-jährigen Mazedonier und einem 48-jährigen Syrer, am 16. Oktober durch die Sonderkommission befinden sich beide Beschuldigte seit dem 17.Oktober in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Tübingen hatte gegen die beiden Beschuldigten Haftbefehl beim zuständigen Amtsgericht erwirkt.

In den ersten Vernehmungen hat der 23-Jährige umfangreiche Angaben zum Tatvorwurf gemacht. Er führte die Polizei auch zu der Stelle, an der die vermutliche Tatwaffe in den Rhein geworfen worden sein soll. Polizeitaucher fanden am Freitag an der gezeigten Stelle auch mehrere Teile einer Pistole. Die Waffenteile werden nun beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg kriminaltechnisch untersucht.

Tatverdächtiger und Opfer kannten sich

Der 48-jährige Syrer bestreitet, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Er soll jedoch das Opfer seit geraumer Zeit im Zusammenhang mit dessen Tätigkeit als Autohändler in Rastatt kennen. Der Iraker lebte bereits seit 20 Jahren in Deutschland und hatte seit mehreren Jahren seinen Wohnsitz in Baden-Baden. 

Die in den Wohnungen der Beschuldigten sichergestellten Beweismittel sind noch nicht abschließend untersucht und ausgewertet. Die weiteren Ermittlungen im sozialen Umfeld der beiden Beschuldigten dauern noch an.

Fundort der Waffe wird bleibt noch geheim

Über den genauen Fundort der Waffe will die Polizei noch keine Auskunft geben. Gut möglich, dass Maximiliansau, ein Ortsbezirk der Stadt Wörth am Rhein, in Frage kommt. Hier in der Pfalz wurde das Auto des Irakers gefunden. Der rechtsgelenkte graue Audi A6 wurde eineinhalb Tage nach den Schüssen an der L340 im rund 40 Kilometer entfernten Maximiliansau entdeckt. Jetzt steht es in einer Karlsruher Fahrzeughalle, wo es ausgiebig nach Spuren untersucht wurde. Was dabei gefunden wurde bleibt vorerst noch unter Verschluss.

Rätsel um den Audi A6 des Getöteten

So bleiben weiterhin einige zentrale Fragen offen. Fuhr der Iraker selbst zum Tatort, der auch der Fundort der Leiche ist? Wer fuhr den Audi A6 dann nach Maximiliansau? Oder wurde der Iraker von den Tätern im Audi zum Tatort bei Dobel gefahren? 

Polizeitaucher: Wenn Spezialisten im Trüben fischen

Polizeitaucher haben wahrscheinlich die Tatwaffe, mit der ein Iraker neben der L340 zwischen Dobel und Bad Herrenalb erschossen wurde, aus dem Rhein geborgen. Sie hatten Glück: Ein Tatverdächtiger führte sie zu der Stelle, von der aus die Waffe ins Wasser geworfen worden sein soll. Ohne diese ungefähre Ortsangabe hätten die Taucher buchstäblich im Trüben gefischt.

Schwierig wird es für die Beamten mit der Neopren-Dienstkleidung, wenn das Wasser nicht glasklar und nicht still ist. Im Rhein kommen schlechte Sicht und starke Strömung als erschwerende Faktoren hinzu. Dann muss Zentimeter für Zentimeter der Grund abgetastet werden. „In solchen Situationen braucht man viel Ruhe und die Sicherheit, seine Geräte auch im Dunklen zu bedienen“, sagte Polizeihauptkommissar Hanspeter Brose vor fünf Jahren bei einer Polizeitaucher-Aktion in einem Neuhausener Angelsee zwischen Steinegg und Hamberg.

Brose hat schon zahlreiche Taucher bei ihrer Ausbildung betreut. Die Spezialisten müssen lebende Menschen retten und Wasserleichen bergen können. Sie suchen und heben versunkene Gegenstände, wie etwa die Tatwaffe im Fall des Dobler Tötungsdelikts. Sie suchen aber auch Schiffen nach Schmuggelgut oder nach Sprengsätzen am Schiffsboden. -Heilemann -

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