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Der Prozess um den getöteten Schmuckhändler wird im Landgericht Karlsruhe verhandelt.  Foto: PZ-Archiv/Meyer 

Prozess um Pforzheimer Schmuckhändler vor Abschluss: Gericht deutet Möglichkeit des Mords aus Heimtücke an

Pforzheim/Karlsruhe. Zwar ist der 20. Verhandlungstag im Prozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler nur von kurzer Dauer gewesen – aber könnte einen entscheidenden Hinweis für die Urteilsverkündung Mitte August gegeben haben. Zu Beginn des Prozesstags vor der Schwurgerichtskammer des Karlsruher Landgerichts verkündete der Vorsitzende Richter Alexander Lautz, dass im Falle einer Verurteilung das Mordmerkmal der Heimtücke zum Tragen kommen könne, weil man es in Betracht ziehen könne, dass der Angeklagte das Opfer vergiftet und ihm später die Luft genommen habe, so Lautz. Er bezog sich hierbei auf die rechtsmedizinisch Sachverständige, die eine Kombination aus Sauerstoffenzug und Vergiftung als wahrscheinlichste Todesursache sieht. Bisher hatte sich die Kammer äußerst bedeckt gehalten.

Prozessauftakt zum Mord an Pforzheimer Schmuckhändler
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Prozessauftakt zum Mord an Pforzheimer Schmuckhändler

Dem 37-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Calw wird vorgeworfen, den Schmuckhändler am 21. Juni 2019 getötet und später im französischen Soultz-sous-Forêts verbrannt zu haben. Der Prozess hatte bereits im März begonnen und stößt seither trotz der Corona-Pandemie auf großes Interesse. Sowohl Freunde und Verwandte des Angeklagten als auch des Opfers verfolgen den Prozess. Der Angeklagte zeigte sich im bisherigen Verfahren weitgehend emotionslos und räumte das Verbrennen der Leiche ein, streitet jedoch den Mordvorwurf vehement ab. Bei seiner Aussage am dritten Verhandlungstag hatte der 37-Jährige behauptet, der Schmuckhändler habe ein wie K.o.-Tropfen wirkendes Reinigungsmittel selbst geschluckt habe. Damit wies der Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück, die unterstellte, der Angeklagte habe die K.o.-Tropfen ins Sushi gespritzt.

Nach Mord an Schmuckhändler: Polizeitaucher in Enz
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Suchaktion im Mordfall an Pforzheimer Schmuckhändler
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Suchaktion nach Mord an Pforzheimer Schmuckhändler

Volle Schuldfähigkeit bescheinigt

Hintergrund des Treffens am 21. Juni war, dass der 37-Jährige den Schmuckhändler zur Rede stellen wollte, da dieser seine Ringkollektion an andere Händler verkauft haben soll. Dies bestätigte sich im Verlauf des Prozesses nicht. So gab ein eigens aus Hamburg angereister Zeuge an, dass er das Opfer weder kannte, noch geschäftliche Beziehungen hatte. Inwieweit Habgier eine Rolle bei der möglichen Tat gespielt hat, ist offen. Ein Buchprüfer hatte dem Opfer eine „gute finanzielle Lage“ attestiert, während beim Angeklagten zahlreiche Fragen offen blieben.

Sicher ist, dass der Angeklagte voll schuldfähig ist. Allerdings hat der 37-Jährige laut einer psychiatrischen Sachverständigen eine Störung der Sexualpräferenz. In den USA verbüßte er eine Haftstrafe wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie. Bei der Verhaftung am 28. Juni 2019 in Meckenbeuren wurde erneut kinderpornografisches Material auf dem Laptop gefunden. Zudem hatte eine Auswertung der Festplatte ergeben, dass der Angeklagte einschlägige Suchbegriffe nutzte. In einer Wohnung neben seinen Büroräumen fanden die Ermittler zahlreiche Sexspielzeuge. Am 11. August möchte die Kammer die Beweisaufnahme abschließen und mit den Plädoyers beginnen. Mit einem Urteil ist drei Tage später zu rechnen.