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Ist der Angeklagte (Zweiter von rechts) schuldig? Gestern verhandelte das Gericht bereits das 17. Mal.  Foto: PZ-Archiv/Meyer 

Prozess um toten Schmuckhändler geht in die nächste Runde – weitere Zeugen sagen aus

Karlsruhe/Pforzheim. Stück für Stück nähert sich die Schwurgerichtskammer am Karlsruher Landgericht der Wahrheit im Fall um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler. Dieser soll am 21. Juni vergangenen Jahres von einem 37-Jährigen aus dem Kreis Calw ermordet worden sein (die PZ berichtete mehrfach).

Zuletzt war der Prozess in Stocken geraten, da die Todesursache weiterhin unklar ist und kürzlich zwei weitere Ordner mit Beweisen an das Gericht gelangt sind. Am 17. Verhandlungstag erschienen zwei weitere Zeugen vor Gericht. Ein 41-jähriger Juwelier aus Hamburg berichtete von einem geschäftlichen Treffen mit dem Angeklagten und einer weiteren Person, die in der Pforzheimer Schmuckbranche bekannt ist. Laut dem 41-Jährigen soll es sich dabei um einen der beiden Brüder gehandelt haben, mit dem der Angeklagte immer wieder Kontakt und für die Zukunft ein gemeinsames Projekt geplant hatte.

„Ich fand die Idee sehr interessant"

Da der Hamburger die Person bereits seit längerem gekannt hatte, kam der Kontakt zum Angeklagten zustande. Beim Treffen am 15. Mai 2019 sollen die beiden dem Juwelier eine neue Schmuck-Kollektion vorgestellt haben. „Es waren rund 40 bis 50 Solitärringe“, erinnerte sich der 41-Jährige. Eine besondere Rolle in der Kollektion sollen die künstlichen Diamanten gespielt haben. „Ich fand die Idee sehr interessant, da es sich um einen neuen Markt handelt“, so der Juwelier. Allerdings hätten ihn wenige Tage später die Preise abgeschreckt und es sei nicht zu einer Zusammenarbeit gekommen.

Pforzheim

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„Eine definitive Absage gab es allerdings nicht, da der Angeklagte sich bei mir nicht mehr gemeldet hat“, so der Zeuge. Beim Treffen sei zwar der Name des Opfers gefallen, doch abgesehen, dass dieser zu „überteuerten“ Preisen verkaufe, soll sich der Angeklagte nicht abfällig geäußert haben. Vehement schloss der Hamburger eine vorherige Zusammenarbeit mit dem getöteten Schmuckhändler aus. Der 37-jährige Beschuldigte hatte behauptet, dass das Opfer dem Juwelier seine Kollektion bereits angeboten habe und er in einer Geschäftsbeziehung mit ihm stand.

„Ich hatte nie ein geschäftliches Verhältnis mit dem Opfer“, stellte er klar.

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Opfer gab sich offen und freundlich

Weiter berichtete eine 42-jährige Angestellte einer Pforzheimer Schmuckgießerei, dass der Angeklagte am 12. Juni 2019 ein Angebot zu einer Platin-Legierung eingeholt habe. Beim Telefonat soll er überaus freundlich und offen gewirkt haben. Die Begeisterung erklärte sich die Zeugin damit, da es in der Region selten ist, dass Gießereien Platin-Legierungen anbieten. „Er gab an, 200 fertige Formen zu haben“, so die 42-Jährige. Auf ein Angebot ihrerseits habe er sich in den folgenden Tagen allerdings nicht mehr gemeldet. Fortgesetzt wird der Prozess am Donnerstag, 2. Juli, 8 Uhr.