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Die Anklagebank im Paulus-Prozess, der nun aufgetrennt wurde: Gegen den 26-jährigen Griechen, vertreten durch Anwalt Bastian Meyer (vorne links), und den 27-jährigen Deutschen (hinten rechts mit Anwalt Ralf Köhler) soll am Freitag ein Urteil fallen. Der Prozess gegen den 30-jährigen Italiener – mit seinen Verteidigern Ulrich Sommer und Cornelius Schaffrath (hinten von links) – und den 42-jährigen Deutschen (vorne rechts mit Anwalt Thomas Maffert) wird Ende September fortgesetzt.  Foto: PZ-Archiv/Meyer 

Urteile zu Folgetat und zum Vergraben der Leiche im Paulus-Prozess gefallen

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. Von der Anklage wegen versuchten Mordes und versuchten Raubes mit Todesfolge ist am Ende nichts mehr übrig geblieben. So hieß es im Paulus-Prozess am Karlsruher Landgerichts Freispruch für einen 27-jährigen Deutschen und einen 26-jährigen Griechen aus Pforzheim und dem Enzkreis.

Ihnen war vorgeworfen worden, Mitte Oktober vergangenen Jahres einen Überfall auf eine 60-jährige aus dem östlichen Enzkreis geplant zu haben, den diese nicht überleben sollte. So haben sie laut Anklage zusammen mit dem Hauptangeklagten im Fall Paulus, einem 30-jährigen Italiener, an den AMG-Mercedes, Wertsachen und das Erbe der Frau kommen wollen. Zu der hatte der Grieche eine Beziehung. Eine Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren hätte ihnen gedroht.

Am Ende war nicht einmal mehr der Vorwurf des geplanten Diebstahls haltbar – und das, obwohl der 27-Jährige und der Italiener in der Nacht bereits zu der Frau unterwegs waren und dabei von der Polizei im Auto abgehört wurden. Einen Tag später wurden sie verhaftet. Diese Vorbereitungshandlungen seien aber nicht strafbar. Das „unmittelbare Ansetzen zur Tat“ wäre laut Staatsanwaltschaft erst mit dem Eindringen ins Haus der Frau oder dem Entwenden des Autoschlüssels gegeben gewesen. Selbst Staatsanwältin Christine Roschinski plädierte deshalb in diesem Punkt auf Freispruch. Damit dürfte sich auch für den Italiener zumindest dieser Tatvorwurf erledigt haben.

Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung hatte Roschinski wegen versuchter Strafvereitelung für den 27-Jährigen gefordert, weil er Ende August vergangenen Jahres dem Hauptangeklagten geholfen hatte, Paulus Leiche zu vergraben. Bis zu drei Jahren und neun Monaten wären möglich gewesen. Am Ende wurde er von der Schwurkammer unter Vorsitz von Richter Leonhard Schmidt zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Er sei vom Hauptangeklagten überrumpelt worden und habe erst im Wald die Sachlage erkannt.

Das abgetrennte Verfahren gegen den Italiener und einen 42-jährigen Deutschen, die sich gegenseitig beschuldigen, den Büchsenmacher Simon Paulus in Gräfenhausen getötet zu haben, wird am 27. September fortgesetzt.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

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