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Meter für Meter durchsuchten Polizeibeamte den Grünstreifen zwischen Abnobastraße und Enz. 
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Meter für Meter durchsuchten Polizeibeamte den Grünstreifen zwischen Abnobastraße und Enz. 

Polizisten durchsuchen Enzufer nach Hinweisen auf Mord an Pforzheimer Schmuckhändler

Pforzheim. „Ihr wisst, wonach wir suchen. Sucht gründlich, vielleicht haben wir Glück“, hat der Einsatzleiter zu Beginn gefordert. Kurz nach 13 Uhr beginnen 13 Bereitschaftspolizisten aus Bruchsal, Technikexperten vom Präsidium Einsatz in Göppingen, ein Kriminaltechniker und vier Mitglieder der Sonderkomission „Brosche“ mit einer Suchaktion zwischen Abnobastraße und Enz. Ihre Hoffnung: Gegenstände zu finden, die in Zusammenhang mit der Tötung des Pforzheimer Schmuckhändlers Martin S. stehen.

Suchaktion im Mordfall an Pforzheimer Schmuckhändler
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Suchaktion nach Mord an Pforzheimer Schmuckhändler

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Mord an Schmuckhändler: Enzufer durchsucht

Die Leiche des 57-Jährigen aus Hohenwart wurde zwar im elsässischen Örtchen Soultz-sous-Forêts entdeckt, der seit Freitag vor einer Woche als vermisst gemeldete Schmuckhändler soll aber in Pforzheim getötet worden sein. Etwa an der abseits gelegenen Abnobastraße? Der Täter muss danach den Leichnam in das rund 80 Kilometer und eineinhalb Autofahrstunden entfernte Waldstück im Elsass transportiert haben, um ihn dort anzuzünden.

Was sucht die Polizei am Enzufer?

Wie der Schmuckhändler getötet wurde, verrät die Polizei bislang aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Hofft die Polizei dann am Dienstagnachmittag eine Tatwaffe zu finden? Polizeisprecherin Sabine Doll sagt, dass nach persönlichen Gegenständen und Wertgegenständen des Toten gesucht werde.

Die Polizisten laufen langsam durchs Gras am Enzufer, stochern mit Stangen im Grün oder gehen mit tragbaren Metalldetektoren voran. Immer wenn ein Gegenstand in den Bereich der Detektoren kommt, piepsen diese los, wie man es von den großen Geräten am Flughafen kennt.

An der Abnobastraße wurde der schwarze VW Golf des getöteten Hohenwarters gefunden. Ob er ihn selbst dahin gefahren hat? Und wann? Das scheint noch unklar zu sein. Die Gegend ist vor allem abends nicht sonderlich belebt. Weiter in Richtung Osten sieht man Rückseiten von Firmengebäuden und die Firmenparkplätze. Durchgangsverkehr gibt es keinen.

Schutzwesten für den Einsatz im Brennnesseldickicht

Der Name der Abnobastraße stammt von der römisch-keltischen Muttergöttin des Schwarzwaldes Abnoba. Während der großen Enzregulierung 1909 wurde an der Altstädter Brücke ein Weihestein der Göttin gefunden. An der Altstädter Kirche startet auch die Suchaktion der Soko „Brosche“ in Richtung Ostendstraße, wo Firmenräume des Getöteten liegen. Insgesamt sei der inspizierte Bereich 550 Meter lang, wobei auch 50 Meter westlich der Altstädterbrücke noch gesucht wird.

Schutzwesten müssen geholt werden, um ohne brennende Hautstellen durchs Brennnesseldickicht zu gehen. Eventuell wird auch noch in der Enz nach Beweisstücken und Hinweisen geforscht. Am Dienstagmorgen waren schon Polizeitaucher vor, um die Gewässersituation für den optimalen Einsatz zu bewerten.

Es gibt auch die Überlegung, dass der Tatverdächtige enzaufwärts am Ufer entlang ging, letztlich in Richtung Stolzestraße in der Südstadt hinterm Brauhaus, wo das Mordopfer bei einem Geschäftstermin zuletzt lebend gesehen worden war. Nach fast einer Stunde Suchen in der Hitze freuen sich die Beamten über den Schatten unter der Altstädter Brücke. Dann wird entschieden, den enzaufwarts gen Westen liegenden Suchbereich weiter auszudehnen als angekündigt. Es könnten noch einmal 250 Meter von der Altstädter Brücke in Richtung Innenstadt durchforstet werden. Und auf der anderen Seite der Altstädter Brücke wollen die Beamten auch noch einmal mit den Stangen und Detektoren nach Hinweisen forschen.

Bis zu dieser Entscheidung hatten die Beamten einen alten, eindeutig nicht dem Getöteten gehörenden Kopfhörer gefunden. Und eine Brille, die nun genauer angeschaut wird. Generell, so hieß es aus Polizeikreisen, mache das Areal einen aufgeräumten Eindruck. Damit habe man in Pforzheim nicht gerechnet.

Der Tatverdächtige schweigt weiter

Die Polizisten hätten den Tag auch anders verbringen können, wenn ein dringend tatverdächtiger, in U-Haft sitzender 36-jähriger Deutscher reden würde. Doch der Tatverdächtige schweigt. Er stand laut den Ermittlern in geschäftlicher Beziehung zum Opfer: Beide waren in der Schmuckbranche tätig. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet: Mord.

Hinweise an den Kriminaldauerdienst Telefon (07 21) 6 66 55 55.

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