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Zentimeter für Zentimeter suchen Taucher der Wasserschutzpolizei den Grund der Enz ab, in der Hoffnung, persönliche Gegenstände des getöteten Schmuckhändlers aus Pforzheim zu finden. © Moritz
03.07.2019

Zwischen Flusskrebsen und Müll suchen Polizeitaucher nach Hinweisen auf Bluttat

Pforzheim. Wo wurde der Pforzheimer Schmuckhändler Martin S. getötet? Die verbrannte Leiche des seit Freitag vor einer Woche als vermisst gemeldeten 57-Jährigen aus Hohenwart wurde zwar im elsässischen Örtchen Soultz-sous-Forêts entdeckt, doch  die eigentliche Bluttat hat dort nicht stattgefunden. Lag der Tatort an der etwas abseits gelegenen Abnobastraße in der Pforzheimer Oststadt? Dort wurde sein Auto gefunden – und hier geht nun die am Dienstag am Enzufer begonnene Suche nach möglichen Hinweisen am Mittwoch in der Enz weiter.

Am Dienstag mussten die Polizeibeamten bei ihrer Suchaktion mit Stangen und Metalldetektoren im Grünstreifen zwischen Enz und Abnobastraße in der Pforzheimer Oststadt in der Mittagshitze schwitzen. Am Mittwoch haben ihre Kollegen an gleicher Stelle einen kühleren Arbeitsplatz vorgefunden. Sie tauchen in der Enz nach Objekten, die in Zusammenhang mit der Tötung des Pforzheimer Schmuckhändlers Martin S. stehen könnten.

Nach Mord an Schmuckhändler: Polizeitaucher in Enz

Bildergalerie: Tod des Schmuckhändlers: Polizeitaucher in der Enz

Polizeitaucher haben in der Enz nach persönlichen Gegenständen des getöteten Martin S. aus Hohenwart gesucht.

Fünf Beamte von der Wasserschutzpolizei und vier von der Sonderkommission „Brosche“ haben sich nach 9 Uhr im Bereich zwischen Altstadtkirche und Ostendstraße, wo Firmenräume des Getöteten liegen, versammelt. Gleich zu Beginn sorgte ein Auto der französischen Gendarmerie für erstes Staunen. Doch das Auto war nur von den Wasserschutzpolizisten aus Kehl ausgeliehen. Drei von diesen Spezialtauchern schwimmen in der Enz oder schnorcheln über die flachen Stellen, wo sie krabbelnd jeden Zentimeter absuchen. Zwei ihrer Kollegen beobachten die Suche von außen, stehen auf der Altstädter Brücke oder am Uferrand und halten die Sicherungsleinen der Taucher.

Unterdessen warten die Soko-Beamten am Ufer darauf, dass die Neoprenanzugträger einen Fund melden. Die Taucher freuen sich über die gute Wasserqualität. Das erleichtert das Entdecken von Gegenständen, die da zwischen den Kieseln liegen. Und sie finden eine ganze Menge. Flusskrebse zum Beispiel, Müll und dann gibt es da noch Kleidungsstücke und sogar Schmuck.

Auch wenn ein erster Blick auf den Schmuck erahnen lässt, dass der schon etwas länger in der Enz liegt, wird er von den Soko-Beamten eingetütet. Die Kriminaltechniker sollen trotzdem ein Auge darauf werfen. Man weiß ja nie… Polizeisprecherin Sabine Doll erklärt, dass nicht nach einer Tatwaffe, sondern nach persönlichen Gegenständen des Opfers gesucht wird.

Die Dienstag-Suche scheint offenbar nicht zu einem besonderen Ergebnis gekommen zu sein. Nicht anders sieht es nach dem Einsatz der Wasserschutzpolizisten aus. Die Suche bleibt erfolglos – ob die Taucher diese fortsetzen, ist noch nicht klar. 

Suchaktion nach Mord an Pforzheimer Schmuckhändler

Bildergalerie: Mord an Schmuckhändler: Enzufer durchsucht

Stundenlang hatten Polizisten am Mittwoch und Donnerstag das Enzufer und die Enz nach Spuren abgesucht - vergeblich.

Wie der Schmuckhändler getötet wurde, verrät die Polizei bislang aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Auch der Ort der Bluttat wird nicht verraten – wenn er denn schon bekannt ist. Am Dienstag sei der inspizierte Bereich 550 Meter lang gewesen, wobei auch westlich der Altstädterbrücke im Grün des Enzufers gesucht wurde. Eventuell könnte der Tatverdächtige, ein in U-Haft sitzender 36-jähriger Deutscher, aufwärts am Ufer entlang gegangen sein. Zum Beispiel in Richtung Stolzestraße in der Südstadt hinterm Brauhaus, wo das Mordopfer bei einem Geschäftstermin zuletzt lebend gesehen worden war.

Der dringend tatverdächtige Deutsche stand laut den Ermittlern in geschäftlicher Beziehung zum Opfer: Beide waren in der Schmuckbranche tätig. Warum die Polizei gerade den 36-Jährigen verhaftet hat, ist noch nicht bekannt. Der Tatverdächtige schweigt. So muss die Polizei den Fall umfassend klären und so viele Beweise wie möglich sammeln, denn der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Mord.

Hinweise an den Kriminaldauerdienst Telefon (07 21) 6 66 55 55.

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