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Vor dem Landgericht in Karlsruhe soll im Mordprozess im Fall Paulus geklärt werden, wer welche Schuld bei einer geplanten Folgetat auf sich geladen hat. Im Bild unter anderem zu sehen: der Hauptangeklagte (Gesicht gepixelt) mit seinen beiden Verteidigern, Professor Ulrich Sommer aus Köln (ganz links) und Cornelius Schaffrath aus Pforzheim (ganz rechts).  Foto: Meyer, Archiv 

Verhängnisvolle Beziehung: Landgericht will Folgetat im Fall Paulus klären

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. Am zehnten Prozesstag im Fall Paulus hat sich das Karlsruher Landgericht erstmals an die Aufklärung einer geplanten Folgetat gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft drei der vier Angeklagten vor, Mitte Oktober vergangenen Jahres drauf und dran gewesen zu sein, eine 60-Jährige aus dem östlichen Enzkreis umzubringen, um an ihre Wertsachen, ihr Erbe und ihren AMG-Mercedes zu kommen.

Zwei Stunden lang hörte die Schwurkammer unter Vorsitz von Richter Leonhard Schmidt die inzwischen 61-Jährige als Zeugin an. Die Frau berichtete unter anderem von ihrer Beziehung zum mitangeklagten 26-jährigen Griechen.

Im Januar 2016 habe sie ihn bei der gemeinsamen Arbeit für einen Securitydienst kennengelernt. Er sei der Erste gewesen, mit dem sie über den Tod ihres Mannes Anfang 2015 gesprochen habe: „Ich war tief in Trauer und er hat mich rausgeholt.“ Aus einer Freundschaft habe sich eine intime Beziehung entwickelt.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Gemeinsame Urlaube, unter anderem auf den Seychellen, habe sie bezahlt – „er wusste, dass ich nicht arm bin.“ Die Anlage eines Fonds habe sie ihm in Aussicht gestellt – „aus Dankbarkeit.“ 3000 Euro habe sie ihm geliehen.

In der geplanten Tatnacht von Sonntag auf Montag habe sich ihr Freund „komisch verhalten.“ Der Staatsanwaltschaft zufolge wollten der Grieche, der 30-jährige Italiener und ein 27-jähriger Deutscher die Frau aufknüpfen und einen Selbstmord vortäuschen. Kurzfristig sei das Vorhaben aber abgebrochen worden, weil die Tochter zuhause bei der Mutter und nicht bei ihrem Freund übernachtet habe.

Mehr lesen Sie am 6. Juli, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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Mordfall Simon Paulus: Prozess in Karlsruhe

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Sven Bernhagen

Sven Bernhagen

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