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Hussein K. hatte zugegeben, im Oktober 2016 in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt zu haben. Sie ertrank im Wasser des Flusses Dreisam.  © Foto: dpa
Blumen und Kerzen in der Nähe des Tatorts am Fluß Dreisam an einem Baum © Foto: dpa
22.03.2018

Nach Urteil gegen Hussein K.: Verteidiger legt Revision ein

Freiburg. Der Pflichtverteidiger des im Mordprozess angeklagten Hussein K. wird gegen das Urteil des Landgerichts Freiburg Revision einlegen. Sein Mandant habe ihn damit beauftragt, sagte Sebastian Glathe nach dem Richterspruch am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Er gehe davon aus, dass Hussein K. bei der Tat vermindert schuldfähig gewesen sei. Der junge Mann habe Alkohol und Drogen in erheblichem Umfang zu sich genommen. Das Gericht hatte dies in seinem Urteil jedoch verneint und volle Schuldfähigkeit attestiert. Er werde die Urteilsbegründung daher gründlich prüfen, sagte Glathe. Dazu diene die Revision.

Hussein K. war wegen Mordes und Vergewaltigung zur Höchststrafe verurteilt worden. Die Richter des Landgerichts Freiburg verhängten am Donnerstag eine lebenslange Freiheitsstrafe und stellten die besondere Schwere der Schuld fest. Außerdem ordneten sie Sicherungsverwahrung an. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Zuschauer im voll besetzten Gerichtssaal klatschten nach der Verkündung des Urteilsspruchs.

Bildergalerie: Urteil im Mordprozess: Lebenslange Haftstrafe für Hussein K.

K. hatte der jungen Frau nach Überzeugung des Gerichts in einer Oktobernacht des Jahres 2016 aufgelauert, sie bewusstlos gewürgt, mehrfach vergewaltigt und die noch lebende Studentin dann im Wasser des Flusses Dreisam abgelegt. Sie ertrank. K. habe ein hohes Maß an Empathielosigkeit gezeigt, sagte die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk in der Urteilsbegründung. Laut Gerichtsmedizin dauerte Marias Sterben im Wasser mehr als eine Stunde. «Er wusste, dass sie noch lebte, als er sie in die Dreisam legte, dass sie ertrinken würde, ertrinken musste», sagte Schenk.

Hussein K. war vor der Jugendkammer angeklagt, wurde jedoch nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Der als angeblich minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommene Mann hatte anfangs behauptet, zur Tatzeit erst 17 gewesen zu sein. Später räumte er ein, über sein Alter gelogen zu haben. Mehreren Gutachten zufolge war er mindestens 22 Jahre alt, als er die Tat beging. Somit kam Erwachsenenstrafrecht in Betracht.

Der Angeklagte war sieben Wochen nach dem Mord festgenommen worden - ein blondiertes Haar von ihm am Tatort brachte die Ermittler auf seine Spur. Akribische Polizeiarbeit hatten die Rekonstruktion der Tat ermöglicht, wie Schenk ausdrücklich lobend hervorhob.

Hussein K. hatte behauptet, im Affekt gehandelt zu haben, als er das Mädchen, das auf dem Heimweg von einer Party war, vom Rad stieß. Außerdem sei er zur Tatzeit bekifft und betrunken gewesen. Beides hielt die Kammer für unglaubwürdig. Das Würgen und die Vergewaltigung hatte der Flüchtling zugegeben, weitere Details zum Hergang der Tat nannte er nicht.

Am vorletzten Tag des mehr als ein halbes Jahr dauernden Prozesses hatte er sich entschuldigt mit den Worten, es tue ihm leid. Ein psychiatrischer Sachverständiger attestierte ihm hingegen eine hohe Gewaltbereitschaft ohne Anzeichen für Reue und Mitgefühl.

Das Gericht folgte mit dem Urteil den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Der Verteidiger hatte kein Strafmaß genannt, Sicherungsverwahrung aber abgelehnt.

Die Familie der getöteten Studentin aus Freiburg und die Universität Freiburg haben sich am Tag vor dem Urteilsspruch an die Öffentlichkeit gewandt. In einer Pressemitteilung verkündeten sie die Gründung einer Stiftung in Erinnerung an die ermordete Studentin aus dem Enzkreis: die Maria-Ladenburger-Stiftung.

Das Verbrechen in Freiburg hatte eine Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik ausgelöst. Hussein K. war im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen und lebte als angeblich minderjähriger Flüchtling bis zu seiner Festnahme in Freiburg bei einer Pflegefamilie.

Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau im Jahr 2013 auf der Insel Korfu war Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Er tauchte unter und kam nach Deutschland. Deutsche Behörden wussten nichts von dieser kriminellen Vorgeschichte.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die am Prozess Beteiligten haben eine Woche Zeit, Revision einzulegen.

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Schreiberling
22.03.2018
Nach Urteil gegen Hussein K.: Verteidiger legt Revision ein

Die Richterin ist eine sehr gute Richterin. Das Urteil ist sehr gut begründet. Der Pflichtverteidiger wird Revision einlegen, will / muss halt noch ein wenig Geld verdienen. Ernstgemeint kann das nicht sein. Das einzige was ich mich frage ist, ob der Mörder eines natürlichen Todes sterben wird oder nicht. mehr...

pforzheimer007
22.03.2018
Nach Urteil gegen Hussein K.: Verteidiger legt Revision ein

also für mich nicht nachvollziehbar...warum hier revision eingelegt wurde...bei der vorgeschichte?....wie der schreiberling sagt....sehr gute begründung des urteils..alles haarklein aufbereitet...der junge mann kommt doch noch gut weg = er wird eingesperrt (zum glück)...und landet dann irgendwann erstmal noch in sicherheitsverwahrung....auf kosten des deutschen steuerzahlers...  in seiner heimat hätten sie ihn vermutlich in ein feuchtes erdloch...und ein paar tage später ...... mehr...

Ladygaga
22.03.2018
Nach Urteil gegen Hussein K.: Verteidiger legt Revision ein

wieder ein Beispiel wie man die Gerichte auf Kosten des Steuerzahlers plagt....Revision einlegen für den Dreckspatz ( gelinde ausgedrückt )...Mir fehlen die Worte mehr...

Faelchle
22.03.2018
Nach Urteil gegen Hussein K.: Verteidiger legt Revision ein

In einer Demokratie gilt das gleiche Recht für alle, auch bei diesem Kotzbrocken. Wem das nicht passt, dem empfehle ich einen afrikanischen Staat, wie Sibawe oder den Sudan auszuwandern, dort gibt es Rübe an, ohne lange zu fackeln. mehr...