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Drei in Lebensgefahr schwebende Personen wurden in diesem Haus an der Gymnasiumstraße in Pforzheim aufgefunden. © Ketterl
Drei in Lebensgefahr schwebende Personen wurden in diesem Haus an der Gymnasiumstraße in Pforzheim aufgefunden. © Ketterl
01.03.2019

CO-Vergiftung wegen toter Taube im Abgasrohr? Drei Personen in Lebensgefahr

Pforzheim. Eine von einem Kaminkehrer aus einem Abgasrohr gefischte tote Taube könnte die Ursache für eine Kohlenmonoxid-Vergiftung im Wohnhaus Gymnasiumstraße 85 in Pforzheim gewesen sei. Ihr fielen drei Menschen zum Opfer, die, so Feuerwehr-Einsatzleiter Guido Lobermann, bei Redaktionsschluss noch in akuter Lebensgefahr schwebten.

Der Rest der 23 dort gemeldeten Bewohner wurde evakuiert. Vorsichtshalber wurde vom Rettungsdienst auch der Blutsauerstoffgehalt der ins Haus geeilten Polizisten untersucht.  

Gasaustritt: Drei leblose Personen in Pforzheimer Wohnung

Der Notruf ging um 17.50 Uhr bei der Feuerwehr ein. Schon zwei Minuten später war das erste Einsatzfahrzeug vor Ort, weil es sich gerade in der Nähe befand. Die ersten Einsatzkräfte gingen von einer Bildung des unsichtbaren, geruchlosen, aber durchaus tödlichen Kohlenmonoxids aus. Die persönlichen Kohlenmonoxid-Warngeräte, die jede Einsatzkraft an der Schutzkleidung trägt, bestätigten die Lage. Die beiden Feuerwehrleute bemerkten, dass die in der Wohnung liegenden Personen noch atmeten. Sie stürmten dann ohne Atemschutz und ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit in die Räume, um im Hauruck-Verfahren alle Opfer der CO-Vergiftung in den Hausflur zu ziehen. Unterdessen war schon das nächste Fahrzeug der Feuerwehr um 17.55 Uhr vor Ort angekommen. Diese Feuerwehrleute konnten dann mit Atemschutz die Verletzten durch den Hausflur ins Freie tragen, wo sofort mit der Reanimation begonnen wurde.

Alle drei Schwerverletzten – eine 47-jährige und eine 22-jährige Frau sowie ein 39-jähriger Mann – müssen laut DRK-Pressesprecherin Daniela Kneis in Druckkammern gebracht werden. Diese sind allerdings rar gesät. So soll einer der Verletzten nach Ludwigsburg gebracht werden, die anderen nach Straßburg und Murnau in Bayern. Besonders dramatisch: Die angeforderten Helikopter konnten nicht zur Einsatzstelle kommen. Die Wetterbedingungen seien für einen Flug zu wechselhaft.

Ein zum Unglücksort geeilter Kaminfeger fand dann eine mögliche Ursache für den tragischen Unfall: Eine tote Taube lag im Abgasrohr. Weitere Untersuchungen durch Spezialisten der Kriminalpolizei, die auch die Gastherme begutachten werden, sollen laut Polizeimeldung folgen. 

Bildergalerie: Gasaustritt in Pforzheim: Drei Personen in Lebensgefahr

Das schnelle Eingreifen von zwei Feuerwehrleuten, die dabei ihre eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben, hat wohl drei Menschen das Leben gerettet. Sie hatten in einem Haus an der Gymnasiumstraße in Pforzheim eine Kohlenmonoxid-Vergiftung erlitten.

Das Areal rund um das vom Gasaustritt betroffene Haus wurde aus Sicherheitsgründen abgesperrt. 15 Hausbewohner und Nachbarn wurden im Feuerwehrbus untergebracht und konnten dort so lange verbleiben, bis gegen 20 Uhr alle Wohnungen von Mitarbeitern der Stadtwerke Pforzheim und der Feuerwehr Pforzheim freigemessen wurden.

Die mit 31 Einsatzkräften und sechs Fahrzeugen zur Gymnasiumstraße geeilte Feuerwehr hatte zuvor das Haus durchlüftet. Der Grundschutz im Stadtgebiet wurde von den freiwilligen Abteilungen Brötzingen-Weststadt und Haidach sichergestellt. Im Einsatz waren neben mehreren Streifenwagen-Besatzungen auch der organisatorische Rettungsdienst-Leiter, ein leitender Notarzt, drei Notarzt-Einsatzfahrzeuge, vier Rettungswagen, zahlreiche Ehrenamtliche, die psychosoziale Notfallversorgung sowie 13 Rettungswagen.

Was macht Kohlenmonoxid (CO) so gefährlich?

Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr verlieren in Deutschland ihr Leben, weil sie Opfer einer Kohlenmonoxidvergiftung wurden.

Wenn Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen, kann sich Kohlenmonoxid bilden. Schon mehrfach gab es Tote und Verletzte, weil jemand einen noch glühenden Holzkohlengrill vom Balkon ins Zimmer gestellt oder in einer geschlossenen Garage gegrillt hat. Wer einen offenen Kamin in der Wohnung hat, muss ebenfalls mit einer unsauberen Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung rechnen. Sind dann auch noch die Abzüge defekt oder der Kamin verstopft, kann sich das Gas im Wohnraum ansammeln. Manchmal sogar bei geöffneten Fenstern. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden.

Das Einatmen von CO führt zu einem extremen Sauerstoffmangel im Körper. Aus Kopfschmerzen und Übelkeit folgen Herzrasen, Halluzinatonen und Krämpfe. Die Kohlenmonoxid-Opfer werden zunehmend apathisch und leiden unter Atemnot. Je länger die Menschen große Mengen CO einatmen, desto eher tritt der Tod ein. Gefährlich wird es, wenn die Menschen im Schlaf überrascht werden und dann nicht mehr die Kraft finden, sich aus dem Raum zu bewegen, um frische Luft, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster, einzuatmen.

Die üblichen und vorgeschriebenen Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid. Es gibt jedoch CO-Melder, die bei manchen Kaminsituationen auch vom Schornsteinfeger angeordnet werden. Generell gilt: Ein CO-Melder kann Leben retten, denn wer noch die Kraft hat, sich ins Freie zu retten, hat sehr gute Chancen, die Vergiftung zu behandeln. Das geschieht vor allem mit der Gabe von hochdosiertem Sauerstoff. tok

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