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Nur der elfjährige Sohn überlebte den Angriff des Vaters im Haus in Mühlhausen. Der Junge ist inzwischen außer Lebensgefahr. Foto: TV-BW
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Nur der elfjährige Sohn überlebte den Angriff des Vaters im Haus in Mühlhausen. Der Junge ist inzwischen außer Lebensgefahr. Foto: TV-BW

Familiendrama mit zwei Toten in Tiefenbronn: "Es muss im Affekt passiert sein"

Tiefenbronn. Was hat den 60-jährigen Diplomingenieur nur zu dieser brutalen Bluttat gebracht? Warum wollte er seine Familie auslöschen? Auf diese Frage gibt es nach wie vor keine endgültige Antwort.

Wie berichtet, hat der Deutsche nach derzeitigen Erkenntnissen am Samstag im Tiefenbronner Ortsteil Mühlhausen seine 38-jährige türkischstämmige Frau und den achtjährigen Sohn getötet, der elfjährige Sohn konnte sich schwer verletzt aus dem Haus retten. Er wurde in eine Klinik eingeliefert, in der er noch immer liegt – inzwischen ist der Junge außer Lebensgefahr. Auch sein Vater ist noch im Krankenhaus, offensichtlich hat er sich auch selbst Verletzungen zugefügt. Aber was hat dazu geführt?

"Immer sehr emotional aufgetreten"

„Es muss eine Tat im Affekt gewesen sein“, ist ein Mann überzeugt, der den 60-Jährigen beruflich kannte. Der Geschäftsführer sei immer sehr emotional aufgetreten, wenn er für seine Projekte gekämpft habe. Er sei engagiert für seine Sache eingetreten und habe auch durchaus aufbrausend werden können, beschreibt er den Mann. Beim letzten Telefonat vor ungefähr einer Woche habe er jedoch eine Veränderung an ihm festgestellt. Er habe einen geschäftlichen Termin kurzfristig abgesagt, was ganz untypisch für ihn gewesen sei. „Und er hat ungewöhnlich ruhig gewirkt – so, als würde ihn etwas belasten.“ Zu seiner Frau – es war übrigens die zweite Ehe – habe der 60-Jährige auch eine starke emotionale Verbindung gehabt, hat der Geschäftspartner beobachtet.

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Er bestätigt den Eindruck, dass die Familie keine finanziellen Sorgen hatte. In dem großen Haus in Mühlhausen hielt sie sich nur sporadisch an den Wochenenden auf, Hauptwohnsitz war wohl in der Region Esslingen. Der Diplomingenieur hatte zwei Firmen mit Sitz in Deizisau im Kreis Esslingen und war in der Medizintechnik-Branche aktiv. In diesem Zusammenhang hatte er auch Verbindungen zu einer Strahlentherapie-Einrichtung für Krebspatienten in Niefern-Öschelbronn. Das aktuellste Projekt in Leonberg, in das der 60-Jährige rund sieben Millionen Euro investiert hatte, stand kurz vor dem Start.

Vormund wird sich um die Zukunft des Elfjährigen kümmern

Aus diesem dem Anschein nach sorgenfreien Leben wurde der elfjährige Sohn nun jäh herausgerissen. Wer sich um ihn künftig kümmert, wird ein Vormund klären. Das berichtet Jürgen Hörstmann von der Pressestelle des Landratsamtes Enzkreis. Dort ist man für den Fall zwar nicht zuständig, da die Familie nicht aus der Region stammt. „Aber das Vorgehen ist überall gleich“, erklärt er. Der Vormund halte Kontakt zum Kind, das eng in die Entscheidung eingebunden werde.

Nach der kurzfristigen Unterbringung in einer Bereitschaftspflege, gebe es die Möglichkeit, dauerhaft bei einer Pflegefamilie zu bleiben, zu Verwandten zu ziehen oder in eine Einrichtung zu kommen. „Das hängt sehr vom Einzelfall ab“, so Hörstmann.

Er ergänzt, dass es ähnliche Fälle in der Region bereits gegeben hat. Beispielsweise als in Mühlacker vor rund einem Jahr ein Asylbewerber seine Frau erstochen hat. Die vier Kinder seien gut untergebracht und betreut, berichtet er.

Wie Staatsanwalt Harald Lustig informiert, sollte die Obduktion der beiden Opfer am Montag stattfinden. Hintergründe zur Tat könne man erst mitteilen, wenn der 60-Jährige vernehmungsfähig sei. Die Polizei dementierte, dass sie bereits in der Vergangenheit wegen Streitigkeiten zu der Familie gerufen worden sei. Es habe lediglich einmal einen Fehlalarm gegeben, das sei der einzige Einsatz an dem Haus gewesen.

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Parallelen zur Familien-Tragödie in Vaihingen-Aurich

Gewisse Parallelen zum Familien-Drama in Tiefenbronn lassen sich zu einer ähnlichen Tragödie im Vaihinger Ortsteil Aurich ziehen. Dort hatte im Februar 2017 ein 40-jähriger Familienvater seine beiden vier und fünf Jahre alten Söhne auf brutale Weise umgebracht und anschließend versucht, sich selbst zu töten, was jedoch misslang.

Für die Tat, welche die Richter des Heilbronner Landgerichts als „Aggressionsausbruch“ werteten, wurde der 40-Jährige wegen zweifachen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter stuften ihn aufgrund von Angstzuständen und Wahnvorstellungen als vermindert schuldfähig ein und ordneten die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. pep

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