Gutachter haben geklärt, wie es zum dem Kohlenmonoxid-Unfall an der Gymnasiumstraße in Pforzheim kam. Drei Menschen wurden dabei lebensgefährlich verletzt.

CO-Unglück: Alle drei Opfer außer Gefahr - Ursache: Taube im Abgasrohr

Pforzheim. Gute Nachrichten und ein bestätigter Verdacht: Alle drei Opfer einer Kohlenmonoxid-Vergiftung am vergangenen Freitagabend an der Gymnasiumstraße in der Pforzheimer Oststadt sind nicht mehr in Lebensgefahr. Und: Die tote Taube im Abgasrohr soll zu der lebensgefährlich hohen CO-Konzentration in der Wohnung geführt haben.

Ohne Atemschutz waren am Freitagabend zwei zufällig in der Nähe der Gymnasiumstraße vorbeifahrende Feuerwehrmänner in die Wohnung geeilt, um drei Menschen mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung aus der Wohnung zu ziehen. Der 39-jährige Mann ist inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden, seine 47-jährige Lebensgefährtin und die 22 Jahre alte Tochter wurden bereits aus den Spezialkliniken mit der Druckkammer in andere Krankenhäuser verlegt. Die 22-Jährige könnte eventuell schon diese Woche entlassen werden.

Alle drei mussten noch am Freitagabend in Spezialkliniken nach Ludwigsburg, Murnau und Straßburg gefahren werden. Rettungsflüge waren wegen der Witterung nicht möglich. In Druckkammern wurde ihnen Sauerstoff ins Blut gepumpt, der zuvor vom Kohlenmonoxid blockiert wurde.

Wie schon früh vermutet wurde, soll eine tote Taube die gefährliche Kohlenmonoxid-Anreicherung verursacht haben. Sie war etwa zwei bis drei Tage vor dem Unglück durch den Kamin ins Abgasrohr einer alten Gastherme gefallen. Hätte die Gastherme eine Abschalteinrichtung gehabt, wäre die Gasverbrennung und damit die Abgasproduktion unterbunden worden. Kriminaltechniker aus Pforzheim und vom Landeskriminalamt sowie ein sachverständiger Innungsmeister haben am Mittwochvormittag noch einmal die Wohnung und die Gastherme untersucht. Das Warmwasser-Aufbereitungsgerät war schon so betagt, dass eine Abschalteinrichtung nicht Vorschrift war.

Druckkammern werden zu Lebensrettern

Für alle drei Schwerverletzten von der Gymnasiumstraße in Pforzheim bestand Lebensgefahr. Sie mussten laut DRK-Pressesprecherin Daniela Kneis in Druckkammern gebracht werden. Diese sind allerdings rar gesät. So wurde einer der Verletzten nach Ludwigsburg gebracht, die anderen nach Straßburg und Murnau in Bayern. Besonders dramatisch an dem Pforzheimer Fall: Die angeforderten Helikopter konnten nicht zur Einsatzstelle kommen. Die Wetterbedingungen seien für einen Flug zu wechselhaft gewesen.

In den Druckkammern fühlen sich die Körper so an, als wären sie unter Wasser in mehreren Metern Tiefe. Das physikalische Prinzip: Je höher der Druck, desto mehr Gas löst sich in einer Flüssigkeit. Und so atmen die Patienten in der Druckkammer über Schläuche reinen Sauerstoff ein. Der Überdruck löst den Sauerstoff in Blut, Zell- und Lymphflüssigkeit besser auf, die Organe werden wieder mit Sauerstoff  versorgt. Die Behandlung einer CO-Vergiftung kann mehrere Tage dauern.  

Was macht Kohlenmonoxid (CO) so gefährlich?

Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr verlieren in Deutschland ihr Leben, weil sie Opfer einer Kohlenmonoxidvergiftung wurden.

Wenn Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen, kann sich Kohlenmonoxid bilden. Schon mehrfach gab es Tote und Verletzte, weil jemand einen noch glühenden Holzkohlengrill vom Balkon ins Zimmer gestellt oder in einer geschlossenen Garage gegrillt hat. Wer einen offenen Kamin in der Wohnung hat, muss ebenfalls mit einer unsauberen Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung rechnen. Sind dann auch noch die Abzüge defekt oder der Kamin verstopft, kann sich das Gas im Wohnraum ansammeln. Manchmal sogar bei geöffneten Fenstern. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden.

Das Einatmen von CO führt zu einem extremen Sauerstoffmangel im Körper. Aus Kopfschmerzen und Übelkeit folgen Herzrasen, Halluzinatonen und Krämpfe. Die Kohlenmonoxid-Opfer werden zunehmend apathisch und leiden unter Atemnot. Je länger die Menschen große Mengen CO einatmen, desto eher tritt der Tod ein. Gefährlich wird es, wenn die Menschen im Schlaf überrascht werden und dann nicht mehr die Kraft finden, sich aus dem Raum zu bewegen, um frische Luft, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster, einzuatmen.

Die üblichen und vorgeschriebenen Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid. Es gibt jedoch CO-Melder, die bei manchen Kaminsituationen auch vom Schornsteinfeger angeordnet werden. Generell gilt: Ein CO-Melder kann Leben retten, denn wer noch die Kraft hat, sich ins Freie zu retten, hat sehr gute Chancen, die Vergiftung zu behandeln. Das geschieht vor allem mit der Gabe von hochdosiertem Sauerstoff. tok

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