Pforzheim. Flammen schlugen am Pfingstmontag aus einem Mehrfamilienhaus an der Gymnasiumstraße. Bei dem Brand wurden neun Personen verletzt. Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot vor Ort.
Um 12.30 Uhr wurden die Einsatzkräfte wegen der starken Rauchentwicklung informiert. Videos zeigen ein komplett in Rauch gehülltes Gebäude.

Foto: Johannes Merkle
Beim Eintreffen der Feuerwehr schlugen Flammen aus den Fenstern einer Wohnung im ersten Obergeschoss und drohten auf die darüber liegenden Geschosse überzugreifen. Anwohner berichteten von mehreren eingeschlossenen Personen im Gebäude. Vor Ort war die Lage ersten Informationen zufolge sehr unübersichtlich.
Unverzüglich drangen mehrere Trupps unter Atemschutz in das Gebäude ein. Zwei Drehleitern wurden straßenseitig in Stellung gebracht. Laut Sebastian Fischer, Kommandant der Feuerwehr Pforzheim, mussten die Rettungskräfte unter "teils dramatischen Umständen" fünf Menschen über den Treppenraum retten. Zwei im Dachgeschoss von Rauch und Flammen eingeschlossene Personen konnten bis zu ihrer Rettung Telefonkontakt mit der Leitstelle halten. Dank dieses permanenten Kontakts konnten sie von den Einsatztrupps schnell gefunden werden. Die Verletzten wurden auf der Straße vom Rettungsdienst versorgt.
Laut Polizei wurde eine Person schwer verletzt, eine andere lebensgefährlich. Sie wurden mit zwei Rettungshubschraubern in Spezialkliniken geflogen. Leichter verletzte Personen sowie die unverletzten Bewohner wurden während des Einsatzes im Feuerwehrbus untergebracht und vom Leitenden Notarzt untersucht. Aufgrund des großen Einsatzes war die Gymnasiumstraße komplett gesperrt.

Mehrere Verletzte nach Wohnungsbrand in Pforzheim
Die Feuerwehr Pforzheim war mit dem Löschzug der Berufsfeuerwehr sowie den ehrenamtlichen Abteilungen aus Eutingen, Haidach und Brötzingen-Weststadt im Einsatz – insgesamt elf Fahrzeuge und 35 Kräfte. Ebenfalls vor Ort waren die Polizei sowie der Rettungsdienst mit mehreren Rettungswagen, mehreren Notärzten, zwei Rettungshubschraubern sowie dem Leitenden Notarzt und dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst.
Dienstfreie Beamte der Berufsfeuerwehr sowie weitere Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr besetzten während des Einsatzes die Hauptfeuerwache für mögliche parallele Einsätze.
Das gesamte Haus ist jetzt unbewohnbar. Zehn Bewohner wurden durch die Stadt Pforzheim auf Notunterkünfte verteilt. Warum der Brand ausbrach, müssen nun die Ermittlungen der Polizei aufzeigen. Am Haus entstand Sachschaden von rund 200.000 Euro.
Polizei geht gegen Schaulustige vor
Der Feuerwehreinsatz zog laut Polizei etwa 50 Schaulustige an. Diese mussten durch vier zusätzliche Streifenwagenbesatzungen aufgefordert werden, gebührenden Abstand von der Brandstelle und den Verletzten zu halten. Polizeibeamte schoben, so gut es eben ging, Handy-Aufnahmen einen Riegel vor. "Keine Fotos von Verletzten und Reanimierten!" – die Beamtin wurde deutlich. "Hier wird gerettet und nicht gegafft", sagte ein Kollege.
Zudem erschwerten der Berufsfeuerwehr Pforzheim zwei im Kreuzungsbereich geparkte Fahrzeuge die Anfahrt. Hierdurch gelang es der Feuerwehr mit ihren Großfahrzeugen für die Menschenrettung nicht, bis an die Einsatzstelle vorzufahren, ohne beide zu beschädigen.
CO-Unglück im März ebenfalls in der Gymnasiumstraße
Der aktuelle Fall ruft schlimme Erinnerungen wach: Anfang März sind ebenfalls in der Gymnasiumstraße drei Menschen bei einem CO-Unglück schwer verletzt worden. Eine tote Taube im Abgasrohr soll zu der lebensgefährlich hohen CO-Konzentration in der Wohnung geführt haben.
Druckkammern werden zu Lebensrettern
Für alle drei Schwerverletzten bestand damals Lebensgefahr. Sie mussten laut DRK-Pressesprecherin Daniela Kneis in Druckkammern gebracht werden. Diese sind allerdings rar gesät. So wurde einer der Verletzten nach Ludwigsburg gebracht, die anderen nach Straßburg und Murnau in Bayern. Besonders dramatisch an dem Pforzheimer Fall war damals: Die angeforderten Helikopter konnten nicht zur Einsatzstelle kommen. Die Wetterbedingungen seien für einen Flug zu wechselhaft gewesen.
In den Druckkammern fühlen sich die Körper so an, als wären sie unter Wasser in mehreren Metern Tiefe. Das physikalische Prinzip: Je höher der Druck, desto mehr Gas löst sich in einer Flüssigkeit. Und so atmen die Patienten in der Druckkammer über Schläuche reinen Sauerstoff ein. Der Überdruck löst den Sauerstoff in Blut, Zell- und Lymphflüssigkeit besser auf, die Organe werden wieder mit Sauerstoff versorgt. Die Behandlung einer CO-Vergiftung kann mehrere Tage dauern.
Was macht Kohlenmonoxid (CO) so gefährlich?Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr verlieren in Deutschland ihr Leben, weil sie Opfer einer Kohlenmonoxidvergiftung wurden. Wenn Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen, kann sich Kohlenmonoxid bilden. Schon mehrfach gab es Tote und Verletzte, weil jemand einen noch glühenden Holzkohlengrill vom Balkon ins Zimmer gestellt oder in einer geschlossenen Garage gegrillt hat. Wer einen offenen Kamin in der Wohnung hat, muss ebenfalls mit einer unsauberen Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung rechnen. Sind dann auch noch die Abzüge defekt oder der Kamin verstopft, kann sich das Gas im Wohnraum ansammeln. Manchmal sogar bei geöffneten Fenstern. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden. Das Einatmen von CO führt zu einem extremen Sauerstoffmangel im Körper. Aus Kopfschmerzen und Übelkeit folgen Herzrasen, Halluzinatonen und Krämpfe. Die Kohlenmonoxid-Opfer werden zunehmend apathisch und leiden unter Atemnot. Je länger die Menschen große Mengen CO einatmen, desto eher tritt der Tod ein. Gefährlich wird es, wenn die Menschen im Schlaf überrascht werden und dann nicht mehr die Kraft finden, sich aus dem Raum zu bewegen, um frische Luft, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster, einzuatmen. Die üblichen und vorgeschriebenen Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid. Es gibt jedoch CO-Melder, die bei manchen Kaminsituationen auch vom Schornsteinfeger angeordnet werden. Generell gilt: Ein CO-Melder kann Leben retten, denn wer noch die Kraft hat, sich ins Freie zu retten, hat sehr gute Chancen, die Vergiftung zu behandeln. Das geschieht vor allem mit der Gabe von hochdosiertem Sauerstoff. tok |
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